Närrische Ratssitzung 2018

Närrische Kritik und Hommage an Menden

MENDEN. Wer in Menden Karneval feiert,
macht das aus voller Überzeugung und Liebe zur Stadt.
Kritische Töne sind in der närrischen Ratssitzung erlaubt.

Von Gabriele Hoffmann
Der neue Gockel kennt sich aus in Menden. Und er hegt scheinbar echte Zuneigung. 14 Mal kommt der Stadtname in seine Rede vor. Dass er einige Hahnenkämpfe mit der Stadt und Gewerkschaft Verdi ausgetragen hat, macht ihn in den Augen der Mendener Karnevalsgesellschaft zum perfekten Gockel: Frank Oberkampf, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, kam ganz in Gold zur närrischen Ratssitzung. Da nahm er in seiner Büttenrede kein Blatt vor den Mund, schlug einen Bogen einmal quer über das öffentliche Leben – von A wie Asbeck bis Z wie Zentrum. Die Stadtsanierung und das Nordwallcenter nannte er in einem Atemzug mit Berlin und Stuttgart. Einzelhandel, Nordwallcenter und Gewerbegebiet, Straßenbau und Autobahn, Krankenhaus und Schulen – die großen Themen kritischnärrisch verpackt. Bei Politik und Verwaltung nannte Oberkampf Ross und Reiter stets mit einem Augenzwinkern. „Nicht zu alt zum Weitermachen, ist der Arlt beim guten Lachen. Ehrlich macht auch kein Versprecher, denn er ist der Pressesprecher. Ganz schön fleißig, das ist der Uwe, macht er doch auch eine gute Schule, bezahlt er nun doch kein Bürgerhaus, drum hat er Geld für einen anderen Schmaus.“ Wer gemeint war (1. Beigeordneter und Kämmerer), war dem informierten Publikum im historischen Ratssaal schnell klar. Der CDU rief er zu: „Vom Haldorn bis zum Schmidt seid Ihr ein echter Hit.“ Die SPD bekam ihr Fett weg: „Wenn auch älter – auch sehr fleißig, sind die Roten über dreißig.“ – „Bei der FDP da spielt einer die erste Geige, nein nicht der Lindner, es ist der Weige.“ Frank Overkampf und sein Vorgänger, Gockel 2017 Mirko Kruschinski als Schalke-Fan und Ex-Bademeister, machten sich gegenseitig Komplimente und waren beide mit dem jeweiligen anderen recht zufrieden. Nicht ganz so nett, an manchen Stellen ausgesprochen bissig, aber immer auch der Stadt sehr zugeneigt, kam Vincenz Rodenberger alias Gerd Schmidt daher. Der dem Barock entsprungene Edelmann kritisierte unter anderem die Verzögerungen beim Nordwallcenter und Hämmer II sowie die Schließung der Geburtsstation und schickte deutliche Worte in Richtung Bürgermeister Martin Wächter: Menden müsse endlich aufwachen. Mit heiteren Einlagen, der gemeinsamen Moderation des MKG-Vorsitzenden Gisbert van Gelder und Präsident Charly Edlerherr sowie Ansprachen des Kinderprinzenpaares und des Stadtprinzenpaares ging im Ratssaal eine spezielle Mendener Karnevalsveranstaltung über die Bühne, bei der wieder kräftig „gekräht“ wurde.

Quelle: Hellweger Anzeiger vom 13.02.2018